Vielleicht werden Sie sich fragen “Umweltmanagement in meiner Kirchengemeinde? Umweltmanagement in meiner Bildungsstätte, Verwaltung, diakonisch-caritativen Einrichtung? Ist das nicht übertrieben?” Wenn Sie die Umweltauswirkungen Ihrer Gemeinde oder Einrichtung mit denen eines Chemieindustriestandorts vergleichen, dann ist diese Frage berechtigt. Aber z.B. auch für eine Kirchengemeinde gilt: Viele Kilowattstunden Strom, viele Kubikmeter Gas, Öl, Wasser werden (vielleicht sogar unkontrolliert) eingesetzt, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Zu bedenken sind auch die Abfallmengen, die Woche für Woche entstehen. Oft wird dadurch die Umwelt unnötig belastet und es entstehen Kosten, die vermeidbar wären. All diese Punkte werden durch ein Umweltmanagement einer kritischen Prüfung und kontinuierlichen Verbesserung unterzogen. Daneben gibt es weitere gute Gründe, sich auf ein kirchliches Umweltmanagement einzulassen. 1. Vom Projekt zum Prinzip Die Bewahrung der Schöpfung ist eine “zentrale Aufgabe der Kirche in all ihren Handlungsfeldern”(Wort der EKvW-Landessynode 1986). Sie ist verwurzelt im 1. Artikel unseres Glaubensbekenntnisses, in dem wir unseren Glauben an Gott den Schöpfer ausdrücken. Umweltmanagement ist ein systematischer Weg, das Umwelthandeln und damit die Verantwortung für die Bewahrung von Gottes Schöpfung in kirchlichen Strukturen und Arbeitsabläufe zu verankern. Durch Umweltmanagement entwickelt sich kirchlicher Umweltschutz vom manchmal belächelten “Projekt Einzelner“ zum “Prinzip” kirchlichen Handelns. 2. Ein Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise Eine Kirche die “Wasser” predigt – mehr Umweltschutz, einen anderen Lebensstil, Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt fordert - und selbst „Wein säuft“, erleidet einen Glaubwürdigkeitsverlust. Umweltmanagement schlägt die Brücke vom umweltengagierten Reden zum Handeln in der Kirche. Es stärkt die kirchliche Glaubwürdigkeit nach innen und außen und schafft motivierende, beteiligungsorientierte Strukturen der Zusammenarbeit. 3. Kirchliches Umweltmanagement ist kommunikativer Gemeindeaufbau und wichtiger Baustein kooperativer MitarbeiterInnenführung Das Selbstverständnis von Kirche und Kirchengemeinde drückt Paulus mit dem Bild des Leibes, der sich aus vielen Gliedern zusammensetzt bzw. mit dem Bild des einen Geistes, der viele Gaben hat (1. Kor. 12) aus. Für eine lebendige Gemeinde, die die Menschenfreundlichkeit Gottes auf Erden bezeugt, sind alle Gemeindeglieder wichtig, mit ihrer von Gott gegebenen Einzigartigkeit, mit ihren unterschiedlichen Ideen, Talenten und Fähigkeiten. Die Gemeinderealität hingegen ist z.T. wenig einladend. Überkommene Hierarchien und Konkurrenzen, schlechte Kommunikationsstrukturen können das Gemeindeleben lähmen; Menschen fühlen sich abgelehnt, weil ihre Beteiligung an den Geschicken der Gemeinde nicht gefragt zu sein scheint. Die Einführung von Umweltmanagementsystemen in Kirchengemeinden schafft zunächst für einen Teilbereich neue - dem paulinischen Bild von der Gemeinde als Organismus entsprechende - Strukturen. Jede/r einzelne ist eingeladen, sich an dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess des Umweltmanagements zu beteiligen. Seine Talente, sein Wissen und Können sind gefragt. Außenstehende werden angesprochen und arbeiten mit. Gerade weil Umweltschutz oft als ein weniger zentrales Betätigungsfeld angesehen wird, kann eine neue “Gemeindekultur” bzw. Einrichtungskultur erprobt werden, die richtungsweisend für einen erfolgreichen Gemeindeaufbau sein kann. Kirchliches Umweltmanagement erschließt und fördert Fähigkeiten und Talente unter den Gemeindegliedern bzw. Mitarbeiterinnen. Es hilft, eine neue kommunikative Kultur in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen aufzubauen. Menschen werden motiviert, ihre Kompetenzen zu entdecken und einzubringen. Umweltmanagement ist somit ein wichtiger Beitrag zu einer kommunikativen Gemeindepraxis und zeitgemäßer kooperativer MitarbeiterInnenführung. Es ist von daher nicht nur ein Beitrag für eine umweltgerechtere Zukunft, sondern auch ein Schritt zu einer „Kirche mit Zukunft“. 4. Kirchliches Umweltmanagement ist betriebswirtschaftlich wichtig und ökologisch bedeutsam In Zeiten knapper werdender Mittel müssen neue finanzielle Spielräume geschaffen werden. Bezogen auf das Umweltmanagement bedeutet dies drastisch ausgedrückt: Es gilt, kWh statt Menschen arbeitslos werden zu lassen! Es gilt, Mittel für die Arbeit mit Menschen und möglichst nicht für den kostenträchtigen Betrieb der betagten Heizung bereitzustellen! Dies soll an einigen wenigen Zahlen einer Studie verdeutlicht werden, die 1994/95 den Energieverbrauch der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und ihrer Gliedkirchen untersucht hat. Danach setzte die EKD mit ihren Kirchengemeinden, Tagungseinrichtungen, Verwaltungseinrichtungen und Einrichtungen der Diakonie soviel Energie wie die Stadt Hannover um. Dabei wurde soviel CO2 emittiert, wie die afrikanischen Länder Sudan und Kenia zusammen (10 % der CO2 - Emissionen von Dänemark). Dies verursachte jährliche Kosten von 460 Mill. €. Das wirtschaftliche Einsparpotenzial wurde auf 37 % des Gesamtenergieverbrauchs geschätzt. Dies ist - allein auf die EKD bezogen - ein gewaltiges und auch ökologisch bedeutsames – Einsparpotenzial, das mit Hilfe von Umweltmanagementsystemen systematisch erfasst und umgesetzt werden kann. |