Die denkmalgeschützte Christuskirche ist seit jeher Symbol evangelischen Lebens in Bocholt. Sie bietet als einziges im Krieg unversehrtes Kirchengebäude vielfach Raum für ökumenische Zusammenarbeit bis in die Gegenwart hinein und ist ein wichtiger Ort kirchlichen und kulturellen Lebens in der Stadt Bocholt. Sie zu schützen und zu erhalten ist für uns als Kirchengemeinde ein wichtiges kirchliches und gesellschaftliches Anliegen. In jüngster Vergangenheit sind durch Vandalismus die wertvollen Motivfenster unserer Christuskirche immer wieder stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Sinnlose Zerstörungen haben die Fenster an einigen Stellen sehr schwer beschädigt, zum Teil zerstört. Auch hat Schwitzwasser zu einigen Beschädigungen geführt und wird auch weiterhin zu Schäden führen, wenn nicht rechtzeitig Vorsorge getroffen wird. Aus diesem Grund hat sich das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde an der Christuskirche zusammen mit dem Kirchbauverein dazu entschlossen, die Motivfenster zu restaurieren und mit einer Schutzverglasung versehen zu lassen, um sie vor weiteren Zerstörungen zu sichern. Die Maßnahme der Schutzverglasung ist nach unserem Ermessen und intensiver Beratung angezeigt, da sie den notwendigen Schutz gegen Vandalismus bietet und zudem eine schädigende Schwitzwasserbildung verhindert. Zugleich kann hier auch durch eine höhere Wärmedämmung dem Umweltschutz durch Energieeinsparung Rechnung getragen werden. Es ging uns nicht um die Um- oder Neugestaltung eines Sakralraums. Es geht auch nicht um Luxus. Es handelt sich um eine notwendige Bauerhaltung, denn es ist das Anliegen der Gemeinde an der Christuskirche, zukünftigen Generationen wertvolle Kirchenkunst in ihrer Einmaligkeit und Besonderheit zu erhalten. Bei den Fenstern handelt es sich um die kleinen Motivfenster auf der Seite des Haupt- und Nebenschiffes der Kirche. Diese Fenster wurden im Rahmen einer „Erneuerung“ der Kirche in den Jahren 1952 bis 1954 gestaltet. Die Entwürfe fertigte der Berliner Professor P.Thol an, der sich zu dieser Zeit bei der ausführenden Firma Ignaz Donat und Sohn in Buer aufhielt. Er war auch als künstlerischer Leiter der Neugestaltung des Innenraums der Kirche in dieser Zeit tätig. Bei diesen zwölf kleinen Fenstern handelt es sich um Darstellungen von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Links, im Seitenschiff unter der Empore, von der Liedertafel aus (Altes Testament): 1. Kampf Jakobs mit dem Engel [1. Mose 32, 23 ff.] 2. Aussetzung des Mose [2. Mose 2, 1 ff.] 3. Eherne Schlange [4. Mose 21, 4 ff.] 4. Elia am Bache Krith [1. Könige 17, 1 ff.] 5. Heilung Naamans durch Elisa [2. Könige 5, 1 ff.] 6. Daniel in der Löwengrube [Daniel 6, 1 ff.] Rechts, im Hauptschiff, von der Kanzel aus (Neues Testament): 7. Gethsemane [Matthäus 26, 36 ff. und Parallelen] 8. "Lasset die Kindlein zu mir kommen" [Matthäus 19, 13 ff. und Parallelen] 9. Arbeiter im Weinberg [Matthäus 20, 1 ff.] 10. Sturmstillung [Matthäus 8, 23 ff. und Parallelen] 11. Auferweckung des Lazarus [Johannes 11, 1 ff.] 12. Ausgießung des Heiligen Geistes [Apostelgeschichte 2, 1 ff.] Für die Aufgabe, diese Fenster zu schützen, konnte dankenswerterweise Derix aus Kevelaer mit einem günstigen Angebot gewonnen werden. All dies war jedoch nur mit einem hohen Finanzaufwand zu bewerkstelligen. Anders als an anderen kirchlichen Standorten verfügen wir an der Christuskirche über keinen großen finanziellen Rückhalt. Zugleich wollten wir aber für die notwendig gewordenen Arbeiten keine wertvolle Kirchensteuermittel angreifen. Die Finanzierung geschieht daher allein auf Spendenbasis. Der Kirchbauverein trägt den Hauptanteil der anfallenden Kosten und einige ortsansässige Firmen und Organisationen haben auch schon dankenswerterweise gespendet. Da die Finanzkraft der Evangelischen Kirche in Bocholt an der Christuskirche weiterhin im Schwinden ist, sind wir auch zukünftig auf Hilfe angewiesen und freuen uns über jede finanzielle Unterstützung. (AG) (Text aus Bocholter Bote, Juni - August 2008) |